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Erziehung

Problemlösen lernen: 5 Gewohnheiten für Kinder im Alltag

Problemlösen lernen: kleine Kniffe im Alltag, mit denen Kinder selbst denken lernen, eine 10-Minuten-Challenge und was sich zwischen 8 und 14 ändert.

Vom Brotelo-Team6 Min. Lesezeit

Kinder werden zu guten Problemlösern, indem sie echte Probleme lösen, mit einem Erwachsenen in der Nähe, der mehr fragt als vorsagt. Arbeitsblätter brauchen Sie dafür nicht. Fünf kleine Gewohnheiten erledigen den Großteil der Arbeit: eine Frage mit einer Gegenfrage beantworten, Ihr Kind eine Weile feststecken lassen, Probleme laut in Schritte zerlegen, die Strategie loben, nicht das Ergebnis, und über eigene Fehler sprechen. Jede davon kostet nur Sekunden, doch über Monate hinweg summieren sie sich.

Warum Problemlösen eine Gewohnheit ist und kein Schulfach

Forschende am Center on the Developing Child der Harvard University beschreiben die exekutiven Funktionen als die Flugsicherung des Gehirns: die Fähigkeiten, die uns helfen, zu planen, die Aufmerksamkeit zu lenken, umzuschalten und mehrere Aufgaben zu jonglieren. Niemand wird mit diesen Fähigkeiten geboren, aber jeder Mensch bringt die Anlage mit, sie zu entwickeln, im täglichen Miteinander und durch Übung.

Die europäische Bildungspolitik sieht das ähnlich. LifeComp, der Rahmen der Europäischen Kommission für persönliche, soziale und Lernkompetenz, beschreibt neun Kompetenzen, die alle lernen können. Drei davon bilden den Kern des Problemlösens: eine wachstumsorientierte Denkweise (Growth Mindset), kritisches Denken und das Steuern des eigenen Lernens, also zu planen, zu beobachten und zu überprüfen, wie man lernt.

Problemlösen wächst also mit der Übung, und das Familienleben steckt voller Übungsmaterial.

Die fünf Gewohnheiten

1. Eine Frage mit einer Gegenfrage beantworten

Wenn Ihr Kind fragt, wie etwas geht, versuchen Sie es mit „Was denkst du?“ oder „Was hast du schon ausprobiert?“, bevor Sie die Antwort geben. Die Harvard-Forschenden stellen fest, dass Kinder motivierter sind, wenn sie mitbestimmen können, was sie tun, und etwas Spielraum dabei haben, wie sie eine Aufgabe erledigen. Eine Frage gibt ihnen genau diese Wahl.

2. Ihr Kind eine Weile feststecken lassen

Beim Feststecken passiert das eigentliche Denken. Denselben Harvard-Forschenden zufolge verlieren Kinder die Motivation, wenn eine Aufgabe zu leicht ist, aber auch, wenn sie so schwer ist, dass Erfolg unmöglich scheint. Ihre Rolle ist es, die Herausforderung irgendwo dazwischen zu halten. Warten Sie, bevor Sie helfen, und geben Sie dann den kleinsten Hinweis, der Ihr Kind wieder in Gang bringt, nicht die Lösung.

Eine einfache Regel für zu Hause: Wenn Ihr Kind feststeckt, vereinbaren Sie, dass es noch zehn Minuten weiterprobiert, bevor es um Hilfe bittet. Vielleicht stellen Sie fest, dass es die Hilfe dann gar nicht braucht.

3. Das Problem laut in Schritte zerlegen

Große Probleme fühlen sich unlösbar an, kleine Schritte machbar. Bringen Sie Ihrem Kind einen einfachen Ablauf bei und verwenden Sie jedes Mal dieselben Worte:

  1. Benennen. Was genau ist das Problem, in einem Satz?
  2. Planen. Welche zwei oder drei Lösungswege gibt es? Welcher kommt zuerst dran?
  3. Ausprobieren. Einen Schritt nach dem anderen.
  4. Überprüfen. Hat es geklappt? Was würdest du ändern?

Die Schritte laut auszusprechen hilft. Der Harvard-Leitfaden mit Aktivitäten für Jugendliche empfiehlt Selbstgespräche, etwa sich selbst laut durch die Schritte einer schwierigen Tätigkeit zu führen, um sich Gedanken und Handlungen bewusst zu machen.

4. Die Strategie loben, nicht nur das Ergebnis

„Du bist so schlau“ klingt nett, lobt aber etwas, das Ihr Kind nicht beeinflussen kann. Das Center on the Developing Child der Harvard University erklärt, dass Lob für Intelligenz, Können oder Noten Kinder dazu bringen kann, eher auf Leistung als aufs Lernen zu schauen, sodass sie Herausforderungen ausweichen, bei denen sie vielleicht nicht gut abschneiden. Wer dagegen die Anstrengung lobt und Kindern hilft, Misserfolge als Chance zu sehen, zu lernen und besser zu werden, macht sie motivierter und stärkt ihren Glauben daran, dass sie erreichen können, was sie sich vorgenommen haben.

Probieren Sie Sätze wie: „Du hast drei Wege ausprobiert, bevor es mit diesem geklappt hat.“ „Das Problem in Teile zu zerlegen, war ein kluger Zug.“ „Was probierst du beim nächsten Mal?“

5. Über eigene Fehler sprechen

Fehler machen Kindern weniger Angst, wenn die Erwachsenen um sie herum ihre eigenen zugeben. Erzählen Sie beim Abendessen von einem eigenen Fehler, was Sie danach versucht und was Sie daraus gelernt haben, und fragen Sie dann Ihr Kind nach einem seiner Fehler. Machen Sie ein Spiel daraus, keine Beichte. LifeComp zählt das Nachdenken über gelungene wie misslungene Erfahrungen zum Growth Mindset, und wenn Sie Ihre eigenen Erfahrungen teilen, zeigen Sie, wie solches Nachdenken klingt.

Was sich mit dem Alter ändert

8 bis 10 Jahre

Bleiben Sie bei konkreten Problemen, die sich zu Ende bringen lassen: bauen, reparieren, sortieren, ein Picknick planen. Spiele sind eine hervorragende Übung. Der Harvard-Leitfaden mit Aktivitäten für 7- bis 12-Jährige empfiehlt Karten- und Brettspiele mit Strategie, weil Kinder dabei Spielzüge im Kopf behalten, vorausplanen und ihre Pläne anpassen müssen, und rät, die Schwierigkeit nach und nach zu steigern, während die Kinder älter werden. Kreuzworträtsel, Sudoku und Rätsel zum räumlichen Denken eignen sich ebenfalls, genauso wie Sport, Musik und Tanz.

Lassen Sie Ihr Kind manchmal selbst das Problem aussuchen. Ein Ziel, das ihm wichtig ist, hält es länger bei der Stange als eines, das Sie ihm vorgeben.

11 bis 14 Jahre

Übertragen Sie Ihrem Kind größere Projekte, bei denen es wirklich um etwas geht: einen Familienausflug mit festem Budget planen, einen Geburtstag organisieren, auf etwas sparen, das es sich wünscht. Der Harvard-Leitfaden für Jugendliche empfiehlt, Teenagern zu helfen, sich ein konkretes Ziel zu setzen, das ihnen wichtig ist, die Schritte zu planen, vorab zu überlegen, was schiefgehen könnte, und unterwegs ihre Fortschritte zu überprüfen, mit Fragen wie: „Gehört das noch zum Plan?“ und „Hat sich etwas verändert?“

Derselbe Leitfaden schlägt vor, andere Sichtweisen zu üben, zum Beispiel mit der Frage, ob es noch eine andere Erklärung dafür geben könnte, warum sich jemand aus dem Freundeskreis so verhalten hat. Außerdem empfiehlt er, Multitasking zu reduzieren, weil es an der Aufmerksamkeit zehrt. Bleiben Sie bei Ihren Erwartungen realistisch: Der Leitfaden weist darauf hin, dass die exekutiven Funktionen von Jugendlichen noch nicht das Niveau von Erwachsenen erreicht haben, auch wenn das, was von ihnen verlangt wird, oft schon Erwachsenenniveau hat.

Häufige Fallen, die Sie vermeiden sollten

  • Zu schnell retten. Das Problem für Ihr Kind zu lösen, spart heute Zeit und kostet morgen eine Fähigkeit.
  • Alles belohnen. Die Harvard-Forschenden warnen: Werden Kinder plötzlich für etwas belohnt, das ihnen ohnehin Spaß macht, tun sie es womöglich bald nur noch für die Belohnung. Neugier und ein erreichbares Ziel sind der bessere Antrieb.
  • Nur Ergebnisse loben. Noten und Siege zählen, aber die Strategie ist das, was sich auf das nächste Problem übertragen lässt.
  • Die Hausaufgaben selbst machen. Setzen Sie sich daneben, stellen Sie Fragen und lassen Sie den Stift in der Hand Ihres Kindes.

So geht es weiter

Nehmen Sie sich diese Woche eine Gewohnheit vor, am besten wohl „Was denkst du?“, und nutzen Sie sie, bis sie sich natürlich anfühlt. Dann kommt die nächste dazu.

Wenn Ihr Kind gern knobelt und Dinge repariert: Der Brotelo-Kurs zum Problemlösen übt in einer kurzen illustrierten Diashow mit einem Quiz am Ende genau diese Strategien, vom Zerlegen in Schritte und dem Stellen besserer Fragen bis zum Ausprobieren, Testen und Ruhigbleiben, wenn man feststeckt.

KI-Werkzeuge haben uns beim Schreiben dieses Ratgebers geholfen. Die Fakten stammen aus den unten aufgeführten Quellen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Center on the Developing Child, Harvard University: A Guide to Executive Functiondevelopingchild.harvard.edu
  2. Center on the Developing Child, Harvard University: How to Motivate Children, Science-Based Approaches for Parents, Caregivers, and Teachersdevelopingchild.harvard.edu
  3. Center on the Developing Child, Harvard University: Executive Function Activities for 7- to 12-year-oldsdevelopingchild.harvard.edu
  4. Center on the Developing Child, Harvard University: Executive Function Activities for Adolescentsdevelopingchild.harvard.edu
  5. European Commission, Joint Research Centre: LifeComp, the European Framework for Personal, Social and Learning to Learn Key Competencepublications.jrc.ec.europa.eu

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