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Lebenskompetenzen

Bildschirmzeit für Kinder: Regeln, die funktionieren

Ohne Streit um Minuten: Regeln für die Medienzeit mit Ihren Kindern in einem Familienplan festhalten, Schlaf und Bewegung schützen, Warnzeichen kennen.

Vom Brotelo-Team7 Min. Lesezeit

Bei den meisten Diskussionen über Bildschirmzeit geht es um die Uhr. Für Kinder von 8 bis 14 Jahren liefert die Forschung nicht die eine richtige Minutenzahl. Die bessere Frage lautet deshalb: Wofür werden Bildschirme genutzt, und was verdrängen sie? Schützen Sie Schlaf, Bewegung und gemeinsame Mahlzeiten, wählen Sie gute Inhalte zusammen aus und sprechen Sie immer wieder darüber, was Ihr Kind sieht. Halten Sie diese Regeln gemeinsam mit Ihrem Kind in einem kurzen Familien-Medienplan fest (oft auch Mediennutzungsvertrag genannt), damit alle sie kennen, bevor der nächste Streit beginnt.

Warum es keine magische Zahl gibt

Als die Chief Medical Officers des Vereinigten Königreichs, die obersten Amtsärzte des Landes, die Forschung zu Bildschirmen und zur psychischen Gesundheit von Kindern auswerteten, kamen sie zu dem Schluss, dass die Studienlage nicht eindeutig genug ist, um evidenzbasierte Grenzwerte für die richtige Menge an Bildschirmzeit festzulegen. Trotzdem raten sie Familien, Grenzen zu vereinbaren, weil Bildschirmzeit Dinge verdrängen kann, die für die Gesundheit eindeutig wichtig sind, etwa guten Schlaf und gemeinsame Zeit.

Auch die American Academy of Pediatrics (AAP), der US-amerikanische Kinderärzteverband, setzt nicht mehr auf das einheitliche Tageslimit, das sie früher empfohlen hat. Der Ansatz der AAP für Familien, die „5 C“, stellt fünf Fragen: wer Ihr Kind (child) ist und warum es Medien nutzt, welche Inhalte (content) seine Aufmerksamkeit verdienen, wie es zur Ruhe (calm) kommt und einschläft, was die Bildschirme verdrängen (crowding out) und wie Sie über Medien sprechen (communicate).

Richten Sie Ihren Plan also an Ihrem Kind, an den Inhalten und an Ihrem Alltag aus, nicht nur an einem Timer.

Schützen Sie die drei Dinge, die Bildschirme verdrängen

Schlaf

Kinder von 6 bis 12 Jahren brauchen 9 bis 12 Stunden Schlaf pro Tag, Jugendliche von 13 bis 18 Jahren 8 bis 10 Stunden. So steht es in Schlafempfehlungen, die von der AAP unterstützt werden. Die AAP rät, nachts alle Bildschirme aus den Kinderzimmern zu verbannen und sie mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen auszuschalten. Die britischen Chief Medical Officers sagen dasselbe über Handys: Zur Schlafenszeit bleiben sie außerhalb des Schlafzimmers.

Bewegung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass sich Kinder und Jugendliche von 5 bis 17 Jahren über die Woche verteilt im Durchschnitt mindestens 60 Minuten am Tag mäßig bis intensiv bewegen und die Zeit im Sitzen begrenzen, vor allem die Bildschirmzeit in der Freizeit. Eine einfache Regel aus den britischen Empfehlungen: Wer ein paar Stunden vor einem Bildschirm gesessen hat, steht auf und bewegt sich.

Mahlzeiten und Familienzeit

Bildschirmfreie Mahlzeiten sind ein einfacher Einstieg, und sowohl die britischen als auch die US-amerikanischen Empfehlungen raten dazu. Die AAP schlägt außerdem bildschirmfreie Zonen bei den Hausaufgaben und vor dem Schlafengehen vor.

Bildschirmzeit nach ihrem Zweck sortieren

Eine Stunde, in der man in einem Spiel eine Welt baut, ist nicht dasselbe wie eine Stunde Videos im Autoplay. Eine einfache Einteilung hilft Kindern, den Unterschied zu sehen:

  • Gestalten: zeichnen, bauen, schreiben, Musik oder Videos machen, programmieren.
  • Lernen: Lektionen, Dokumentationen, Übungs-Apps, E-Books.
  • Kontakt halten: Videoanrufe mit der Familie, Chats mit Freunden.
  • Entspannen: Spiele und Videos einfach zum Spaß.

Nichts davon ist schlecht. Das Ziel ist eine Mischung, auf die sich Ihre Familie einigt, mit genug Zeit für alles andere.

Gemeinsam einen Familien-Medienplan schreiben

Erarbeiten Sie die Regeln mit Ihren Kindern, nicht für sie. Der Familien-Medienplan der AAP geht von einer einfachen Idee aus: Jede Familie ist anders, also stellen Sie Regeln auf, die zu Ihrem Alltag und Ihren Werten passen, und besprechen Sie sie mit Ihren Kindern. Zu den Beispielregeln gehören:

  • Bildschirmfreie Zonen, etwa am Esstisch, bei den Hausaufgaben und vor dem Schlafengehen.
  • Immer nur ein Bildschirm: Geräte ausschalten, die man gerade nicht nutzt.
  • Autoplay und Benachrichtigungen aus, weil sie darauf ausgelegt sind, Kinder länger bei der Stange zu halten.
  • Hochwertige Inhalte und dazu regelmäßige Gespräche über Werbung und Influencer-Marketing.
  • Kindersicherung für Nutzungszeit, Downloads, Kontakte und Käufe.
  • Ein Plan für jedes Familienmitglied, Eltern eingeschlossen.

Überprüfen Sie den Plan, wenn es sich ohnehin anbietet, etwa zu Beginn des Schuljahres oder in den Sommerferien.

Um zu prüfen, ob der Plan funktioniert, empfehlen die britischen Chief Medical Officers vier Fragen des Royal College of Paediatrics and Child Health, des britischen Fachverbands für Kinder- und Jugendmedizin:

  1. Hat Ihre Familie die Bildschirmzeit im Griff?
  2. Steht die Bildschirmnutzung dem im Weg, was Ihre Familie gern tun möchte?
  3. Stört die Bildschirmnutzung den Schlaf?
  4. Haben Sie das Naschen vor dem Bildschirm im Griff?

Was sich zwischen 8 und 14 Jahren ändert

8 bis 10 Jahre

Kinder in diesem Alter fangen an, in Regeln zu denken. Deshalb hält die AAP einen Familien-Medienplan gerade jetzt für besonders hilfreich. Für eigene Social-Media-Konten sind sie noch nicht bereit. Schauen und spielen Sie ab und zu gemeinsam, um zu sehen, welche Botschaften eine Sendung oder ein Spiel vermittelt. Kindersicherungen wirken nicht zu 100 Prozent, merkt die AAP an, aber sie helfen, Inhalte auf den Geräten Ihres Kindes zu filtern.

Achten Sie bei Spielen auf die PEGI-Alterskennzeichnung (3, 7, 12, 16 oder 18) und auf die Hinweise daneben, etwa auf In-Game-Käufe. Räumen Sie die Geräte zur Schlafenszeit weg und versuchen Sie, Bildschirme nicht zur automatischen Antwort auf Langeweile oder eine frustrierende Hausaufgabe zu machen. Vor allem: Sagen Sie Ihrem Kind, dass es zu Ihnen kommen kann, wenn es im Internet etwas sieht, das es verstört oder ihm unheimlich vorkommt.

11 bis 14 Jahre

Beziehen Sie Ihr Kind in die Wahl der Regeln ein. Die AAP hält das in diesem Alter für unerlässlich, weil Kinder so das Gefühl bekommen, dass es auch ihre Regeln sind. Die meisten sozialen Netzwerke erlauben laut ihren eigenen Nutzungsbedingungen erst ab 13 Jahren ein Konto. Ermutigen Sie Ihr Kind also, bei seinem Alter nicht zu lügen.

Wenn Ihr Kind ein Handy hat, zeigen Sie ihm, wie es in der Schule, bei den Hausaufgaben und zur Schlafenszeit den Modus „Nicht stören“ oder einen Fokus-Modus nutzt, und lassen Sie Handys und Spielkonsolen nachts nicht im Schlafzimmer. PEGI kennzeichnet außerdem Spiele, die mit täglichen Belohnungen oder Login-Serien Druck machen, wiederzukommen, und stuft Spiele mit einem Chat, der sich weder blockieren noch stummschalten lässt und nicht moderiert wird, als PEGI 18 ein.

Stellen Sie offene Fragen, etwa ob Ihr Kind in letzter Zeit etwas gesehen hat, das ihm seltsam oder beängstigend vorkam. Jüngere Teenager fürchten oft, dass man ihnen das Gerät wegnimmt, wenn sie Ihnen von einem Problem erzählen. Hören Sie also zuerst zu und nehmen Sie das Gerät nicht reflexartig weg.

Für Sicherheit sorgen, ohne zu spionieren

Sprechen Sie so oft darüber, was Ihr Kind online macht, wie über die Schule. Fangen Sie bei seiner Welt an: welches Spiel, welcher Kanal, welche Freunde. Setzen Sie bei jüngeren Kindern stärker auf Kindersicherungen und schenken Sie nach und nach mehr Vertrauen, wenn Ihr Kind zeigt, dass es gute Gewohnheiten hat.

Sprechen Sie auch ab, was geteilt werden darf. Die britischen Empfehlungen erinnern Erwachsene daran, nie einfach davon auszugehen, dass Kinder mit dem Teilen ihrer Fotos einverstanden sind, und geben allen dieselbe Regel mit: Im Zweifel nicht hochladen.

Wann Sie sich Sorgen machen sollten und wo Sie Hilfe finden

So geht es weiter

Beginnen Sie diese Woche mit einer Regel, am besten mit dieser: Handys laden außerhalb der Schlafzimmer. Bauen Sie dann darauf auf. Nehmen Sie sich den Plan wieder vor, wenn sich etwas ändert: ein neues Handy, eine neue Schule, die Sommerferien.

Der kostenlose Brotelo-Kurs zu digitaler Sicherheit und klugem Umgang mit Bildschirmen, gedacht für Kinder von 8 bis 14 Jahren, hilft ihnen bei der anderen Hälfte der Aufgabe: sichere Passwörter wählen, Betrugsmaschen und Fake News erkennen, private Informationen schützen und einen eigenen Medienplan aufstellen.

KI-Werkzeuge haben uns beim Schreiben dieses Ratgebers geholfen. Die Fakten stammen aus den unten aufgeführten Quellen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. American Academy of Pediatrics (HealthyChildren.org): How to Make a Family Media Planhealthychildren.org
  2. American Academy of Pediatrics (HealthyChildren.org): Kids and Screen Time, How to Use the 5 C's of Media Guidancehealthychildren.org
  3. American Academy of Pediatrics (HealthyChildren.org): 5 C's Questions for School-Age Childrenhealthychildren.org
  4. American Academy of Pediatrics (HealthyChildren.org): The 5 C's Questions for Young Teenshealthychildren.org
  5. American Academy of Pediatrics (HealthyChildren.org): Healthy Sleep Habits, How Many Hours Does Your Child Need?healthychildren.org
  6. World Health Organization: Guidelines on physical activity and sedentary behaviourwho.int
  7. UK Chief Medical Officers: Commentary on screen time and social media, with advice for parents and carersgov.uk
  8. PEGI: What do the labels mean?pegi.info
  9. Better Internet for Kids: Online abuse, get help and report itbetter-internet-for-kids.europa.eu

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